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'Das 22. Jahrhundert beginnt heute'
Francesco Veenstra, leitender Regierungsarchitekt: "Wir werden unseren Raum anders nutzen müssen".

Das 22. Jahrhundert beginnt heute

Am 1. September hat Francesco Veenstra sein Amt als leitender Regierungsarchitekt angetreten. Der Mitgestalter u. a. des Delfter Bahnhofs ist entschlossen, den von seinen Vorgängern "geebneten" Weg in die Tat umzusetzen. "Entschlossenheit in der Klimakrise und eine langfristige Vision sind notwendig, um die komplexen Herausforderungen der Zukunft zu meistern", sagt er. "Das 22. Jahrhundert beginnt heute. Und gutes Design ist immer eine Grundvoraussetzung."

Die Vorgänger Mels Crouwel und Floris Alkemade haben die Rolle des leitenden Regierungsarchitekten von einem beratenden zu einem integralen Ansatz ausgeweitet; auch das Kollegium der Regierungsberater wurde "robuster" gestaltet. Zusammen mit der Landschaftsarchitektin Jannemarie de Jonge und dem Stadtplaner Wouter Veldhuis wird Veenstra dieses Gremium in den kommenden Jahren bilden. Der gebürtige Friese verdiente sich seine Sporen unter anderem als Miteigentümer von Mecanoo. Seit 2017 ist er Partner bei Vakwerk Architecten; in den vergangenen zwei Jahren war Veenstra Vorsitzender der Branchevereniging Nederlandse Architectenbureaus (BNA). 

Anders und besser

In den Niederlanden gibt es bei den räumlichen Aufgaben noch einiges zu tun. "Der kürzlich veröffentlichte IPCC-Bericht unterstreicht einmal mehr, dass wir den Übergang zur Nachhaltigkeit nicht länger aufschieben können. Dies erfordert eine andere Perspektive: Statt mehr und größer muss es anders und besser sein", sagt der neue Chefarchitekt der Regierung. "Wir müssen uns auf eine Gesellschaft zubewegen, die stärker auf 'Nachhaltigkeit', Qualität und Wohlbefinden ausgerichtet ist. Die gebaute Umwelt muss dazu einen Beitrag leisten.

Integrale Vision

"Die Niederlande sind noch nicht voll, aber wir werden wirklich anders mit unserem Raum umgehen müssen. Ganz einfach, weil die Ansprüche und Forderungen bald nicht mehr passen werden", sagt Veenstra. "Mir geht es nicht so sehr um Ziele in absoluten Zahlen wie '1 Million neue Wohnungen bis 2030', mir geht es um eine ganzheitliche langfristige Vision. Schauen wir ein Jahrhundert voraus und stellen wir uns die Frage: In was für einem Land wollen wir eigentlich leben? Nicht um nach schönen Aussichten zu suchen, sondern um rückwärts zu denken: Was sollten wir jetzt tun?" 

Mit dem Bau neuer Wohnungen nennt Veenstra gleich eine der größten Herausforderungen seines Berufs. "Ausreichend bezahlbarer Wohnraum ist ein Muss für die Gesellschaft, aber das bedeutet nicht einfach 'bauen, bauen, bauen'. In der Debatte sollte es nicht um Zahlen gehen, sondern um das Land und die Stadt der Zukunft; um den Beitrag, den der Wohnungsbau dazu leisten kann. Land und Stadt sind zwei Seiten derselben Medaille: Auch in Dörfern und Kleinstädten - vielleicht gerade dort - kann der Wohnungsbau ein Motor für Lebensqualität und Vitalität sein." 

Blick nach vorn

Um zu vermeiden, dass wir jetzt Entscheidungen treffen, die wir später bereuen, müssen wir also nach vorne schauen. "Hundert Jahre sind eine lange Zeit, vergessen Sie nicht, dass die Struktur der heutigen Niederlande größtenteils Ende des 19. Jahrhunderts festgelegt wurde. Die damals getroffenen Entscheidungen zum Bau von Flüssen, Kanälen und Straßen bilden noch immer das Rückgrat unseres Landes. Das gilt auch für die Netze, die wir heute bauen. Energieunternehmen suchen in den Niederlanden nach ungenutzten Flächen für den Bau von Solarfeldern. Keine Sorge, lautet das Argument, die Solarpaneele sind nur für 20 Jahre da. Nach diesen 20 Jahren ist das Bodenleben erschöpft, und es wird ein Stromnetz geben, das neue Aktivitäten an diesen Ort locken wird. Solche weitreichenden Entscheidungen erfordern eine ganzheitliche Betrachtung. 

Jeder wird gebraucht

Raumgestalter sind in der Lage, eine gemeinsame Zukunftsperspektive zu skizzieren, so der Chefarchitekt der Regierung auf Nachfrage. Veenstra weist darauf hin, dass Designqualität nicht das Ei des Kolumbus ist. "Design Thinking ist ein Werkzeug, um neue Wege zu erkunden. Für einen echten Wandel brauchen wir die Entschlossenheit aller: Architekten, Entwickler, Bauherren, Kunden und die Regierung. Es ist Zeit, sich die Hände schmutzig zu machen."  

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