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Altes Handwerk und neues Programm treffen in der Neuen Kirche aufeinander

Altes Handwerk und neues Programm treffen in der Neuen Kirche aufeinander

Ehrlichkeit der Materialien, Ehrlichkeit der Konstruktionen und Reinheit der Räume

Ein Entwurf, der für diesen Ort, die Stadt und ihre Bewohner von wesentlicher Bedeutung ist. Aber auch: eine Wiederentdeckung des Handwerks, der Akribie und der Raffinesse. Mit seinem Entwurf für die Nieuwe Kerk in Delft möchte Ron Verduijn, Architekt und Mitbegründer von Buro STIEL, nicht nur das Kirchengebäude als Ort für die Stadt neu positionieren, sondern auch eine gesellschaftliche Debatte über Qualität und Schönheit anstoßen.

Nach der intensiven Renovierung der Nieuwe Kerk in den Jahren 2017 und 2018 fehlten noch immer die notwendigen Einrichtungen wie Säle, Toiletten, eine Küchenzeile und ein Lagerraum. “Daraus entwickelte sich ein kontinuierlicher Prozess, in dem außerhalb der Kirche der richtige Raum gesucht wurde”, erklärt Verduijn, der 2019 gemeinsam mit Jos Snoek Buro STIEL gründete. “Sowohl oberirdisch als auch unterirdisch. Letztendlich wurde auf Infill zurückgegriffen, wobei die Evangelische Kirche Delft (PGD) das gewünschte Programm innerhalb der Nieuwe Kerk unterbrachte.” Buro STIEL gestaltete dies weiter und schuf so ein schönes Zusammenspiel zwischen Zwischenentwurf, Programm, Gebäude und Nutzung im Laufe der Zeit. “Auf diese Weise wurde die Kirche als sakraler, kultureller und gemeinsamer Ort mit besonderem Fokus und Kohärenz gestaltet.”

Altes Handwerk und neues Programm treffen sich in der Neuen Kirche 1

Vom Denkmal zur Stadtkirche

“Wir haben den gesamten Prozess der Visionsfindung und der Designstudien durchlaufen”, erklärt Verduijn. “Ein komplizierter Prozess. Schließlich ist die Neue Kirche ein architektonisches Meisterwerk, aber man muss lernen, es zu sehen und zu schätzen. Während der Restaurierung hatte ich die Gelegenheit, mich mit dem Gebäude vertraut zu machen. Aber auch, um seine architektonische Schönheit besser sichtbar zu machen, damit das Gebäude wieder für sich selbst spricht. Die funktionelle Sanierung ist ein logischer nächster Schritt und wird auf der Grundlage derselben Vision durchgeführt. Wegen der sozialen Funktion der Kirche für die Stadt haben wir diese Vision in dem Titel ‘Vom Denkmal zur Stadtkirche’ zusammengefasst. Die funktionale Sanierung ist also eine Geschichte der Neupositionierung, damit das Gebäude (wieder) der Gemeinschaft dienen kann. Sowohl in Bezug auf die Architektur als auch auf den ungeteilten Raum, wo die Verbindung mit der Umgebung, eine gute Logistik, die Zugänglichkeit aller Räume und die Sicherung des menschlichen Maßstabs im Mittelpunkt stehen.”

Kirche als überdachter Stadtplatz

“In unserem Entwurf definieren wir die Neue Kirche als einen überdachten Stadtplatz”, erklärt Verduijn. “Dabei ist die Kirche so programmiert, dass sie alle Arten von religiösen und sozialen Aktivitäten ermöglichen kann. Von sehr großen bis hin zu sehr intimen Veranstaltungen, die sowohl Touristen als auch Einwohner in das Kirchengebäude locken. Die Nieuwe Kerk wird einen klaren Eingang, eine logische Wegeführung und eine klare Aufteilung haben, wobei die neue Tageskapelle die gewünschte Intimität bietet. Die Wände der Kapelle werden mit einem Kunstwerk von Claudy Jongstra verkleidet. Damit wird zum ersten Mal seit der Reformation wieder Kunst auf den Boden kommen und Handwerkskunst, Raffinesse und Menschlichkeit zusammenbringen. Außerdem werden an sinnvollen Stellen Stauräume eingerichtet, die eine multifunktionale Nutzung ermöglichen, ohne die architektonische Schönheit zu beeinträchtigen. Die Nieuwe Kerk wird bald in der Lage sein, sich selbst zu versorgen. Wir haben einen transparenten Seiteneingang mit Einrichtungen auf der Gartenseite geschaffen. Außerdem wurden die Sakristei und die Librije durch eine verbesserte Treppe und ein neues Eingangsportal erschlossen. Damit haben wir die Funktion der Neuen Kirche, die räumliche Qualität im und um das Gebäude herum, weiter verbessert und erweitert.”

Altes Handwerk und neue Programme treffen in der Neuen Kirche 2 aufeinander

Van der Kloot Meijburg 

“Die Architektur der Neuen Kirche spielt bei unserem Entwurf die Hauptrolle”, betont Verduijn. “Dabei haben wir uns an der Philosophie des Gesamtkunstwerks des Restaurierungsarchitekten Van der Kloot Meijburg orientiert. In seinem Entwurf wurden mittelalterliche und moderne Materialien so kombiniert, dass eine mittelalterliche Kirche der 1930er Jahre entstand. Ehrlichkeit in den Materialien, Ehrlichkeit in den Konstruktionen und Reinheit in der Räumlichkeit waren dabei zentral und führten letztlich zu einer Wiederentdeckung des Domraums, die seit der Restaurierung 2017 auch wieder deutlich sichtbar ist. Alles, was wir ihm jetzt hinzufügen, folgt dieser Mentalität. So sind zum Beispiel alle neuen Anbauten in Eiche und in weichen, glatten Formen und Details ausgeführt. Außerdem ist das neue Stockwerk nach dem mittelalterlichen System der Nuss- und Kindsbalken gebaut, aber in den Details zeitgemäß. Damit fügen wir dem Kunstwerk aus den 1930er Jahren eine Architektur-, Kunst- und Nutzungsebene des 21. Jahrhunderts hinzu und bereichern das Gotteshaus und die Oraniergrabkirche um eine differenziertere Nutzung.’ 

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