Arbeiten an Fassaden oder in großer Höhe werden traditionell mit Gerüsten oder Hubarbeitsbühnen durchgeführt. Das muss aber nicht immer so sein. Für viele klingt es noch ungewohnt, doch mit „Rope Access“ – dem Arbeiten mit Seiltechniken – gewinnt dieser Ansatz in der Baubranche allmählich an Boden. Strong In Heights, das Unternehmen von Lars Domenie, setzt diese Technik für eine breite Palette von Arbeiten an schwer zugänglichen Stellen ein.
“Seilzugangstechnik gibt es schon seit Jahren, sie stammt jedoch vor allem aus der Industrie”, erklärt Domenie. “In der Baubranche hält man oft noch an klassischen Lösungen wie Gerüsten und Hubarbeitsbühnen fest. Da Gebäude jedoch immer höher und komplexer werden, sind diese nicht immer die effizienteste oder sicherste Wahl.”
Beim Seilzugang arbeiten spezialisierte Techniker buchstäblich ‘wie Bergsteiger’ an einem Gebäude. Mit Hilfe von Seilen seilen sie sich kontrolliert an Fassaden oder Konstruktionen ab, um Arbeiten durchzuführen. “Es ist ein vollwertiger Beruf mit Ausbildungen und Zertifizierungen. Man hängt sich nicht einfach so an ein Seil”, betont Domenie.

Obwohl Seilzugangstechnik oft mit Inspektionen in Verbindung gebracht wird, ist das Anwendungsspektrum in Wirklichkeit wesentlich breiter. Strong In Heights wird für unterschiedlichste Aufträge beauftragt: von Maler- und Dichtungsarbeiten bis hin zur Montage von Fassadenelementen und dem Austausch von Glas. “Auf einer Baustelle werden wir oft für die letzten Feinarbeiten hinzugezogen”, sagt Domenie. “Wenn die Gerüste bereits abgebaut sind und Hubarbeitsbühnen nicht mehr eingesetzt werden können, bleiben dennoch noch einige Arbeiten übrig: Fugenabdichtungen, Ausbesserungen und kleinere Eingriffe. Dann bieten wir eine Lösung an.”
Aber auch größere und technisch komplexere Arbeiten gehören zu den Möglichkeiten. So können beispielsweise schwere Glasplatten oder Fassadenelemente an der Außenseite eines Gebäudes hochgezogen und montiert werden. “Mit elektrischen Winden können wir Lasten von bis zu mehreren hundert Kilogramm kontrolliert bewegen. Oft arbeiten wir dabei mit Kränen zusammen. Da wir so mobil sind, behindern wir die Kranarbeiten nicht.”
Einer der größten Vorteile der Seilzugangstechnik ist ihre Flexibilität. Während der Aufbau von Gerüsten Tage dauern kann, sind Seilzugangstechniker oft schon innerhalb weniger Stunden einsatzbereit. “Meistens sind wir innerhalb von anderthalb bis zwei Stunden startbereit”, so Domenie. Das bedeutet nicht nur Zeitersparnis, sondern auch weniger Beeinträchtigungen für die Umgebung. Es sind keine Straßensperrungen oder große Aufbauten erforderlich, was insbesondere im städtischen Umfeld ein wichtiger Vorteil ist. Darüber hinaus spielt auch die Kosteneffizienz eine Rolle. Da weniger Material und Vorbereitungszeit benötigt werden, kann die Seilzugangstechnik in vielen Fällen eine kostengünstigere Alternative sein.
Arbeiten in der Höhe werfen naturgemäß Fragen zur Sicherheit auf. Laut Domenie liegt die Messlatte in dieser Branche besonders hoch. “Die Sicherheitsstandards sind extrem streng. Es handelt sich nun einmal um Arbeiten in der Höhe, aber genau deshalb sind die Verfahren und Schulungen so gründlich.”
Bei Strong In Heights ist Domenie als zertifizierter Supervisor (Stufe 3) tätig, der höchsten Stufe im Bereich Seilzugangstechnik. Er betreut und überwacht andere Techniker bei der Ausführung der Arbeiten und trägt die Verantwortung für Sicherheit, Material und Organisation.
Die Nachfrage nach Seilzugangstechniken steigt, insbesondere im Bauwesen, wo die Architektur immer komplexer wird. Man denke dabei an hohe Gebäude, schwer zugängliche Fassaden oder innovative Anwendungen wie vertikale Gärten. “Das Bauwesen entwickelt sich weiter, und die Techniken müssen damit Schritt halten”, fasst Domenie zusammen. “Seilzugang ist kein Allheilmittel, aber eine leistungsstarke Ergänzung. Vor allem dann, wenn herkömmliche Mittel nicht ausreichen.”