Eine Geste, ein Design, eine Identität", so der Architekt Roberto Meyer (MVSA) über das Westfield Einkaufszentrum in den Niederlanden. Die Fassade spielt dabei eine dominante Rolle, mit der auffälligen vorgefertigten "Voile-Fassade" aus Beton, die das Einkaufszentrum wie ein Seidenschal umhüllt, so die Designer. Eine baulich-ästhetische und logistische Herausforderung für den Fassadenbauer TGM-NL B.V. und Lieferanten wie den Betonfertigteilspezialisten mbX. Die Co-Macher sprechen.
"Wir haben Unibail-Rodamco-Westfield vor der Ausschreibung über den Gesamtumfang der Fassade beraten", beginnt der kaufmännische Direktor Leon van Osch. "Unsere Ausschreibungsunterlagen wurden vom Hauptauftragnehmer Ballast Nedam auf Wunsch der URW eins zu eins übernommen. Neben der 'Voile-Fassade' und den Decken umfassen sie alle Fassadenteile, wie die sekundäre Stahlkonstruktion, von der der Voile herabhängt, die HSB-Elemente und die Vorhangfassaden aus Stahl und Aluminium. Auch die Fassadenteile aus Naturstein und die grünen Fassaden gehören zu unserem Auftrag. Die Westfield Mall of the Netherlands ist ein maßgeschneiderter Auftrag für TGM in allen Bereichen - Design, Logistik und Ausführung. Hier ist die weiße Voile-Fassade, eine scheinbar drapierte Fassadenverkleidung, die sich nahtlos in die Vordächer einfügt, der Blickfang dieses "fast unholländischen" Bauwerks. Um die Herstellbarkeit und die ästhetische Qualität zu demonstrieren, wurde unmittelbar nach der Ausschreibungsphase ein repräsentatives Modell von 12 x 20 Metern gebaut.
Parametrische Modellierung
"Wir haben den doppelt gekrümmten Beton zu unserer eigenen Nische gemacht", sagt Direktor Bjorn van Overveld von mbX (Gewinner des Europäischen Betonpreises mit Arnhem Centraal). "Was wir produzieren, ist nie 'Standard', und deshalb wurde für dieses Projekt eine eigene Produktionslinie eingerichtet. Für 'The Mall' werden für die Schalenelemente unterschiedliche Produktionsmethoden angewandt. Durch die Umwandlung des 3D-Entwurfs in ein parametrisches Modell war es möglich, die effizienteste Produktionsmethode zu ermitteln. Dabei werden alle verfügbaren Daten und Zusammenhänge berücksichtigt." Ein Teil der Produktionsmethode ist die flexible Formtechnik, mit der einzigartige Schalungsteile erstellt werden können. "Unter anderem deshalb haben wir die Möglichkeit, in der Produktion eine freie Form zu schaffen. Sicherlich gibt es sich wiederholende Teile, aber ein großer Teil der Produktion besteht aus einzigartigen Elementen. Ohne den heutigen Stand der Digitaltechnik wäre diese Konstruktion nicht machbar gewesen."
Montage
Alle Elemente für die Voile-Fassade und die Vordächer (ca. 9.300 m²) wurden von TGM und mbX auf der Grundlage des ästhetischen Entwurfs von MVSA in einem virtuellen, technisch machbaren 3D-Modell weiter ausgearbeitet. Bei der Ausarbeitung dieses Modells werden sowohl die Betonelemente als auch die zugehörige sekundäre Stahlkonstruktion dreidimensional ausgerichtet. "Soweit möglich, werden die produzierten Betonelemente zu größeren Modulen zusammengesetzt, indem sie bei mbX vor Ort mit Transport- und Aufhängekonstruktionen versehen werden", sagt Frank van den Heuvel, Projektleiter von TGM-NL B.V. "Dann gehen sie auf Transport. Natürlich sind auch die Montagemethoden aufgrund der Vielfalt der Fassadenelemente, der Zugänglichkeit und der Sicherheit sehr unterschiedlich. Die logistische Komplexität ergibt sich zum Beispiel aus der genutzten Straßenbahntrasse, die manchmal Arbeiten in der Nacht erfordert, sowie aus der Tatsache, dass das bestehende Einkaufszentrum weiter genutzt wird. Zeitgleich mit der Montage der sekundären Stahlkonstruktion und des Betonschleiers werden auch die thermische Hülle und die profilierten Metallfassaden montiert. Die Montage wird bis ins Jahr 2020 andauern.
Falten
Die Betonmodule werden mit Hilfe von Hebezeugen, Hubarbeitsbühnen und Hubtischen montiert, so auch am Standort des zwölf Meter hohen, auskragenden Vordachteils am Haupteingang. Die horizontalen Falten zwischen den wellenförmigen Schalen sind mit einer Standardfuge von nominal zwanzig Millimetern versehen. Damit soll die Verschmutzung des Betons durch Regenwasser minimiert werden. Die Falten selbst sind umgedreht, so dass das Regenwasser dahinter ablaufen kann. Van Overveld: "Die Winkel dieser Falten werden so festgelegt, dass das Erscheinungsbild der Fassade durch die Fugen nicht gestört wird, ein Prozess, der genau überwacht wird."
Eine Bewegung
Alle Fassadenelemente sind mit der Voile-Fassade verbunden und bilden als Ganzes die thermische Hülle. Van Osch: "Erwähnenswert ist auch, dass die Profile der Stahlfassaden für ein optimales Ergebnis lasergeschweißt sind, sowohl aus ästhetischen als auch aus statischen Gründen. Schließlich handelt es sich um große Spannweiten." Die Logistikseite des Einkaufszentrums wird mit grünen Fassaden versehen, so dass Westfield Mall of the Netherlands ein allseitiges Gebäude in seiner ganzen Einzigartigkeit wird, das von der einladenden Voile-Fassade dominiert wird. "Sie werden bald eine Bewegung des Voile-Stoffes an der Fassade sehen, hier ein wenig schmaler, dann wieder imposant wie am Haupteingang, mit einem Höhenunterschied von bis zu zwanzig Metern. Mit unserem Gesamtfassadenkonzept sorgen wir als Mitgestalter dafür, dass das Endergebnis so ist, wie es sein soll: eine Geste, ein Design, eine Identität. Für uns ist das ein Denkmal für die Zukunft", schließt Van Osch.