Die Übergabe des Corps de Logis markierte das Ende von 3,5 Jahren Abbau, Renovierung und Restaurierung von Palace Het Loo für Erkend Restauratie Bouwbedrijf Koninklijke Woudenberg. Gemeinsam mit dem Technischen Direktor Wibo van der Jagt blicken wir auf die Höhepunkte und Herausforderungen dieses gewaltigen Projekts zurück.

Mehr als 30 Jahre nach seiner Eröffnung als Museum hat Paleis Het Loo eine umfassende Renovierung und Sanierung erfahren. Zwischen Januar und März 2018 wurden die Museumssammlungen sorgfältig aus den Räumen und Flügeln des Palastes entfernt und eingelagert, danach begannen die Bauarbeiten. Um eine ordnungsgemäße (und sichere) Instandhaltung zu ermöglichen, wurden die Arbeiten geschickt mit einer gründlichen Asbestsanierung kombiniert. "Für die Asbestsanierung haben wir fast alle monumentalen Räume von Paleis Het Loo sorgfältig demontiert", erklärt Van der Jagt. "Für die Lagerung der ausscheidenden Monumentalteile war ein Raum im Ostflügel vorgesehen, aber das verursachte lange Laufwege. Wir schlugen daher in unserem Aktionsplan eine Alternative mit einem vierstöckigen Kettenpark vor, der direkt mit dem Palast verbunden war. Dies minimierte nicht nur die Laufwege, sondern auch die Risiken von Schäden. Im Kettenpark wurden u. a. die relative Luftfeuchtigkeit und die Temperaturen kontinuierlich überwacht. Das ermöglichte eine bedarfsgerechte Klimatisierung und sorgte dafür, dass alle Tischlerarbeiten perfekt erhalten blieben."
Insgesamt wurden etwa 4.500 m² Asbest gefunden und saniert, so Van der Jagt. Eine riesige Menge, die ungefähr der Fläche des Bassecour entspricht. "Vor allem während der großen Reparaturarbeiten von Ende der 1970er bis Mitte der 1980er Jahre - als Asbest noch erlaubt war - wurde das Material an zahlreichen Stellen verwendet. Kein Wunder, denn Asbest ist feuchtigkeitsunempfindlich, feuerfest, hart, schlagfest und leicht zu verarbeiten. In Paleis Het Loo wurde er vor allem als Feuerschutz zwischen Böden und Decken und in Wänden verwendet, aber auch als Ausgleichsplatten unter Balken und Kapitellen von Säulen. Es war nicht einfach, diese Asbeststellen zu sanieren. Außerdem bestand ein Teil unserer Aufgabe darin, die sehr monumentalen Decken aus dem 17. Jahrhundert mit bemalten Holzarbeiten und verziertem Stuck zu erhalten und sie nicht für die Sanierung zu demontieren. Durch sorgfältige Planung, Anordnung der Asbestbehälter und Sorgfalt bei der Asbestsanierung ist uns dies gelungen."
Bei der Gestaltung der Asbestsperren sei ohnehin Kreativität gefragt gewesen, da monumentale Zimmermannsarbeiten auf bis zu 6 m Länge demontiert werden mussten. "Das führte zu Asbestschlössern mit Längen von bis zu 12 Metern. In Absprache mit unserem Asbestsanierungspartner konnten wir dies innerhalb des Schlosses geschickt umsetzen."
Um unter Asbestbedingungen sicher arbeiten zu können, ließ Royal Woudenberg alle Zimmerleute vor Beginn des Projekts an einem Asbestkurs teilnehmen. Anschließend wurden die Einhausungen errichtet, und die Zimmerleute, jetzt Asbestsanierungsexperten (DAV1), demontierten die Stilzimmer. "Für alle rund 60 Stilzimmer wurde ein individueller Ausführungsplan erstellt", sagt Van der Jagt. "Darüber hinaus wurden umfangreiche 3D-Scans angefertigt. Zum Beispiel von den Wänden und Decken. Jedem Teil wurde eine bestimmte Nummer zugewiesen, anhand derer unsere Schreiner die Teile ausbauten und in einem geschlossenen Raum reinigten. Alle Teile wurden außerdem mit einem eindeutigen Barcode versehen, so dass wir jederzeit zurückfinden konnten, in welchem Stilraum und an welcher Stelle das Teil ausgetauscht werden musste. So entstand eine Art umgekehrtes Riesenpuzzle mit mehr als 20.000 sehr wertvollen Puzzleteilen."
Alle historischen Räume wurden mit großer Sorgfalt demontiert, betont Van der Jagt. "Von jedem Zimmer wurde ein vollständiges fotografisches Gutachten erstellt, anhand dessen wir eine Bestandsaufnahme der vorhandenen und neuen Schäden vornehmen konnten. Diese Schäden wurden von einem anerkannten Restaurierungsmaler so zurückhaltend wie möglich retuschiert, so dass der Zahn der Zeit auch nach der Restaurierung in den Räumen deutlich sichtbar bleibt."