Wer demnächst am Bahnhof Den Haag Holland Spoor vorbeikommt, wird es sofort sehen: Waldorp Four ist kein gewöhnliches Wohngebäude. Vier Türme ragen aus einem grünen Sockel aus Holz und Glas empor, dazwischen befinden sich Cafés, Lernbereiche und Dachgärten. Das Gesamtbild wirkt offen, urban und nachhaltig – genau so, wie es sich Architekt Paul de Ruiter vorstellte, als er vor über zehn Jahren dieses Meisterwerk in Angriff nahm.
“Es begann 2014 mit einem kleinen, länglichen Grundstück von 30 mal 300 Metern zwischen der Bahnlinie und der Waldorpstraat”, erzählt De Ruiter. “Mittlerweile ist daraus eine Fläche von über 75.000 Quadratmetern mit 1.171 Wohnungen geworden. Eine enorme Aufgabe, vor allem auf einer so beengten Baustelle.” Da über die Bahnstrecke nicht häufig gehoben werden darf, entschied sich das Designteam für ein vollständig vorgefertigtes Bausystem. Die Module werden im Werk von Ursem Modulaire Bouwsystemen hergestellt und fertig montiert auf der Baustelle aufgestellt. Laut De Ruiter ist das nicht nur effizient, sondern auch umweltfreundlich. “Es gibt viel weniger Transport und Abfall und die Arbeit vor Ort ist begrenzt. Außerdem kann man in der Fabrik viel präziser und qualitativ besser bauen.”

Waldorp Four besteht aus vier Wohnhochhäusern, drei mit 22 Stockwerken und eines mit 13 Stockwerken, die durch niedrigere Gebäude mit Wohnungen, Geschäften und Gastronomie verbunden sind. Der Sockel hat transparente Fassaden und Holzlamellen, was dem 300 Meter langen Block ein freundliches Aussehen verleiht. “Wir wollten vermeiden, dass es zu einer massiven Wand wird”, sagt De Ruiter. “Die horizontalen Linien und das viele Glas sorgen für Rhythmus und Licht. Und die Dachgärten von ZUS bringen buchstäblich Luft in den Entwurf.”
Das Projekt richtet sich an eine breite Mischung von Bewohnern: Studenten, Berufseinsteiger und Sozialmieter. “Jede Zielgruppe hat ihren eigenen Wohnungstyp und ihre eigenen Einrichtungen”, erklärt De Ruiter. “So verfügt das Studentenwohnheim über kompakte Zimmer mit Gemeinschaftsräumen, während die Greystar-Türme über gemeinsame Waschräume und einen Penthouse-Gemeinschaftsraum verfügen. Die niedrigeren Gebäude haben begrünte Dächer, die als Treffpunkt dienen.”
Dass Waldorp Four nachhaltig ist, versteht sich bei Paul de Ruiter Architects von selbst. Die Gebäude werden mit einer Wärme-Kälte-Speicheranlage und energieeffizienten Anlagen ausgestattet, die für eine A-Energieeffizienzklasse sorgen.+++ Label. “Wir bauen mit einer Holzrahmenkonstruktion in den Modulen und verwenden relativ wenig Beton. Auch die Stickstoffemissionen bleiben gering, da in der Fabrik gebaut wird”, sagt De Ruiter. “Es ist ein schönes Beispiel dafür, wie man auf begrenztem Raum nachhaltig verdichten kann.”
Das Design ist außerdem auf Licht und Komfort ausgerichtet. Dank der raumhohen Fenster haben die Bewohner einen großzügigen Blick über die Stadt und es fällt viel natürliches Tageslicht herein. Darüber hinaus trägt das Gebäude zur Lebensqualität im Stadtteil Laakhavens bei, der sich in den kommenden Jahren zu einem vollwertigen Stadtviertel entwickeln wird. Die Waldorpstraat, einst bekannt für ihr raues Image, wird zu einer lebendigen Stadtstraße, in der Wohnen, Arbeiten und Entspannen vereint sind.
Mit seiner Größe und Höhe ist Waldorp Four einzigartig in den Niederlanden. “Es ist eines der größten Fertigteilgebäude der Welt”, erzählt De Ruiter stolz. “Das kann man nicht alleine schaffen. Wir haben ein großartiges Team und gemeinsam schaffen wir etwas, das bis vor kurzem noch unmöglich schien: hochwertige Wohnungen nur wenige Meter von der Bahnlinie entfernt zu bauen.”
Im Dezember 2024 begann der Bau, der bis Mitte 2028 dauern wird. Wenn die ersten Bewohner bald ihre Schlüssel erhalten, wird Waldorp Four nicht nur ein neues Zuhause für mehr als tausend Menschen sein, sondern auch ein Symbol dafür, wie die Niederlande intelligenter bauen können. “Fertigbauweise und Nachhaltigkeit”, fasst De Ruiter zusammen. “Das ist die Zukunft. Und Waldorp Four zeigt, dass das auch wunderschön aussehen kann.”