Auf der Insel Zeeburgereiland in Amsterdam werden drei ehemalige Industriesilos in ein öffentliches städtisches Ensemble umgewandelt. Film, Sport, Gastronomie, Arbeitsräume und ein öffentlicher Dachpark finden hier in einer robusten Betonkonstruktion mit einer unverkennbaren industriellen Vergangenheit Platz. Die auskragenden Aufbauten der Silos erhalten eine besondere Hülle: nicht als dünne Haut, sondern als intelligentes System, das auf kostengünstige Weise eine architektonische Vision ermöglicht.
Leebo Intelligente Bouwsystemen ist für die Fassaden des Projekts verantwortlich. Bauleiter Johan van Nimwegen betont, dass das Fassadenbild zwar ruhig wirkt, technisch jedoch alles andere als einfach ist. Was vom Kai aus wie ein durchgehender Kreis aussieht, besteht aus einem sorgfältig aufgebauten System aus Fertigteilen, von denen jedes eine eigene Funktion bei Konstruktion, Montage und Endbearbeitung erfüllt.

Der Oberbau der Silos ruht auf einer schlanken Halskonstruktion und besteht aus Aluminium-Verbundkassetten (LeeBond) mit schmalen Fensterbändern. Dieser Oberbau bildet einen vollständigen Kreis aus 24 Segmenten. Van Nimwegen erklärt, dass diese Segmentierung entscheidend war, um die Fassade realisierbar zu halten. “Die Elemente werden vollständig im Werk hergestellt: Stahlrahmen, Dämmung, dampfdurchlässige und dampfdichte Folien sowie Fensterrahmen sind bereits integriert. Sogar die Verglasung ist bei der Ankunft auf der Baustelle bereits eingebaut. Die Rundung wird nicht vor Ort hergestellt, sondern ist bereits im Element selbst enthalten. Die Paneele sind segmentiert, und die Krümmung wird ausgefräst und anschließend gewalzt, wodurch eine runde Fassade zum Selbstkostenpreis einer geraden entsteht.”
Dieser Fertigbauansatz schlägt sich laut Van Nimwegen direkt in der Montage nieder. Wandteile mit einer Breite von etwa vier Metern werden mit einem Hakensystem aufgehängt, ausgerichtet und befestigt. In etwa fünf Tagen ist ein dreistöckiges Silo wind- und wasserdicht. Dieses Tempo ist notwendig, da die Baustelle komplex ist und mehrere Gewerke schnell aufeinander folgen müssen.

Ein wichtiger Unterschied besteht zwischen dem Hals und dem Oberbau. Im Halsbereich wurden schwarze Sandwichpaneele verwendet, die jedoch letztendlich nicht sichtbar bleiben. Van Nimwegen weist darauf hin, dass an der Außenseite noch eine Hinterkonstruktion mit Fassadenpaneelen angebracht wird, während auf der Innenseite Gipskartonwände errichtet werden. Auch hier ist alles segmentiert, da dies auch bei den Fensterrahmen der Fall ist. “Der Oberbau erhält durch die champagnerfarbenen Kassetten hingegen ein markantes Erscheinungsbild. Diese sind tief ausgeformt und wirken sonnenabweisend. Hohe Sommersonne wird abgehalten, während tief stehendes Winterlicht ins Innere gelangen kann. Eine matte Beschichtung verhindert Reflexionen in die Umgebung.”
Die Reihenfolge der Montage ist genau festgelegt. Zunächst werden die Elemente eingesetzt und verschlossen, danach folgen Abdichtung und Dämmung. Erst danach kann ein anderes Unternehmen die Glasstreifen zwischen den Bodenkanten anbringen. Diese haben keine tragende Funktion, betont Van Nimwegen, sind aber entscheidend für das Erscheinungsbild der Fassade. Erst wenn diese angebracht sind, kann Leebo die endgültige Außenverkleidung montieren. Dieser Moment markiert das Anbringen des ‘endgültigen Mantels’ des Gebäudes.
Laut Van Nimwegen zeigt das Projekt, dass die Fassade hier kein Dekor ist, sondern ein Instrument. “Ein System, in dem Ästhetik, Technik und Zusammenarbeit zusammenkommen und in dem das industrielle Erbe nicht verdeckt, sondern sorgfältig neu gestaltet wird.”