Mitten auf einem Grundstück an der Laan van Nieuw Oost-Indië stand ein Bürogebäude, das sich kaum in die Nachbarschaft einfügte. Ein Gebäude weit abseits der Straße, umgeben von Autos und mit einer Parkgarage darunter. Bei der Umgestaltung zum Wohnkomplex NOI Avenue haben die Architekten von Geurst & Schulze dieses Bild auf den Kopf gestellt. Das alleinstehende Gebäude wird wieder Teil eines geschlossenen Häuserblocks im Haager Stadtteil Bezuidenhout.
Das Bürogebäude aus den 1970er Jahren, entworfen vom Architekten Kraaijvanger, stand isoliert in einem Viertel, das um 1900 entstanden war und bei der Bombardierung von Bezuidenhout im Jahr 1945 größtenteils zerstört wurde. In Absprache mit dem Stadtplaner der Gemeinde verlängerte das Architekturbüro Geurst & Schulze die Bebauung an der Laan van Nieuw Oost-Indië wieder bis zur Straße. So entstand wieder eine Straßenfront, wie sie vor gut hundert Jahren auch schon existiert hatte.

Das Gebäude erhielt mehr Volumen und ein zusätzliches Stockwerk. Von der Straße aus setzt sich das Volumen stufenweise zurück, wodurch die obersten Wohnungen eine Dachterrasse erhalten und die gegenüberliegende Straße ausreichend Sonnenlicht bekommt. Der höhere Teil, der rechtwinklig zur Allee steht, wurde durch eine Krone mit Penthäusern aufgestockt. An der De Carpentierstraat entstehen ebenerdige Wohnungen auf dem bestehenden Parkhaus, passend zu den Einfamilienhäusern auf der gegenüberliegenden Seite. Ein Geschäftsbereich im Erdgeschoss bringt zusätzliches Leben in die Laan van Nieuw Oost-Indie.
Der bestehende Rohbau wies eine begrenzte Tragfähigkeit auf. Daher hatte das Büro keine freie Wahl bei der Auswahl des Fassadensystems. Jeroen Geurst, Architekt und Mitbegründer von Geurst & Schulze: “Wir haben uns für ein leichtes System entschieden: Holz-Innenwandplatten, verkleidet mit großen Keramikfliesen in Natursteinoptik. Die Fliesen stammen von Mosa und wurden aus wiederverwertetem Material hergestellt.” Das Ergebnis ist ein steinartiges Gebäude mit großen Fenstern und Loggien zur Straße hin. “Die Farben fügen sich harmonisch in die Umgebung ein, und durch die Balkone wirkt das Gebäude wie ein Wohnhaus und nicht wie ein Bürogebäude.”
Die größte Herausforderung lag im bestehenden Gebäude selbst. Die Tragfähigkeit spielte nicht nur bei der Fassade, sondern im gesamten Gebäude eine Rolle. Laut Geurst war es eine ziemliche Knacknuss, innerhalb der bestehenden Raster gute Grundrisse zu entwerfen. Der alte Korridor machte Platz für zwei Laubengänge, wodurch die Wohnungen nun um ein zentrales Treppenhaus herum angeordnet sind. Die bestehenden Treppenhäuser wurden durch neue ersetzt. “Das hat am meisten Zeit gekostet. Man muss sich überall an das anpassen, was bereits vorhanden ist.”

Durch die Wiederverwendung des Rohbaus bleibt viel CO₂ gebunden. Zusammen mit den leichten Fassaden, den begrünten Dächern und den bepflanzten Terrassen schneidet das Gebäude daher in puncto Nachhaltigkeit sehr gut ab. Für Geurst zeigt das Projekt, dass Erhaltung oft besser funktioniert als Abriss. Vor allem das städtebauliche Ergebnis macht ihn stolz. “Man sieht jetzt sehr gut, dass die Straße wieder durchläuft, während sie ursprünglich durch eine Art Dissonanz unterbrochen war. Wo früher ein nach innen gewandtes Büro stand, gehört der Block nun wieder zum Stadtteil. Und das sorgt für mehr Leben auf der Straße.”